Liebe Freunde!
Wir möchten euch verschiedene Themen für den Gesangsunterricht und Klavierunterricht näher bringen. Ich habe für euch einen Blog über emotionale Expressivität beim Singen vorbereitet. Für uns Sänger ist die gesangstechnische Seite des Singens ganz wichtig, aber nicht weniger wichtig ist auch das Thema: Wie kann ich meine Stimme interpretatorisch weiter entwickeln? Wie kann ich expressiv sein und meine Emotionen durch die Stimme ausdrücken?
Was ist eigentlich das expressive Singen? Ganz vereinfacht kann man sagen, dass es um Gefühlsgesang geht. Es ist eine Verbindung zwischen Interpretation-Körperausdruck und Stimme. Dieser emotionale Ausdruck bringt jedem Sänger Originalität und Authentizität. Es geht um eine präzise Arbeit mit den Ausdrucksmitteln beim Singen, Experimenten mit der Stimmfarbe, der Diktion, Mimik, usw. Das expressive Singen ist keine zufällige Auswahl der Ausdrucksmitteln, aber eine systematische Arbeit zur eigenen Interpretation. Natürlich ist dabei ganz wichtig die eigene Stimme gut zu kennen und auch zu beherrschen. Den expressiven Gesang treffen wir tagtäglich quer durch alle Genres. (Musical, Pop, Chanson, Rock…).
Heute werden wir uns gemeinsam auf die expressive Stimmfarbe konzentrieren. Wie kann ich meine Stimme expressiver modulieren. Dafür gibt es ein einfaches Modell.

Auf der linken Seite des Modells sehen wir EPS (einzigartige perfekte Stimme) und auf der rechten Seite AES (außergewöhnliche expressive Stimme). Unter EPS ist eine ausgebildete Stimme gemeint (tragfähiger Klang, sichere Intonation, usw.). Das ist der Klang, den wir gemeinsam mit dem Gesangslehrer bei Gesangsunterricht erzielen möchten. Auf der anderen Seite steht im Gegensatz AES. Dabei geht um die expressiven Tne und Klänge, die eine ganz starke emotionale Farbe tragen. Es ist nicht immer wichtig, dass diese Töne gesungen sind. Oft geht es nur um Sprechgesang oder sogar um absichtlich verformte Töne überhaupt. Dabei ist ganz wichtig darauf achten, dass es immer um eine gesunde Stimmarbeit gehen muss (egal auf welcher Seite des Modells ich bin).
Wie kann ich aber dieses Modell selbst praktisch benutzen und wie kann ich damit üben? Nimm ein Stück eines Liedes, das du bereits kennst oder vorbereitest hast und fange ganz Links mit EPS auf dem Modell an. Sei präzise und singe dieses Stück technisch richtig und bemühe dich um den perfekten Klang. Wenn du das gut schaffst, stelle dir vor, dass du dich auf dem Modell bewegen kannst. Fange an langsam nach Rechts zum AES zu gehen. Du kannst dieses Modell zum Beispiel auf 10 Schritte aufteilen. (Schritt 1 wäre ganz Links – EPS und Schritt 10 wäre dann ganz Rechts – AES). Stelle dir vor, dass du jetzt zu Schritt 2 gehst und moduliere deine Stimmfarbe. (Sollte es weicher sein? Härter? Gebrochen?). Probiere die ganze Skala durchzugehen und bei jeden Schritt das Stück deines Liedes durchzusingen. Wenn du alle 10 Schritte probierst hast, kannst du danach auswählen welcher Schritt für dein Lied am meisten passend war. So kannst du ganz einfach die richtige Expressivität für dein Lied finden. Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich die Expressivität während des Liedes verändern kann. Es kann sein, dass das Lied bei Schritt 1(EPS) anfängt, aber bei Schritt 10(AES) enden wird. Der Spielraum ist groß und es liegt nur an dir, wie du es umsetzen möchtest.
Finde einfach einen ruhigen Ort, wo du das ausprobieren kannst. Beobachte dabei deinen Körper, deine Stimme und wie du dich dabei fühlst. Probiere ganz tief in dich rein zu schauen. Du wirst dabei beobachten, dass umso expressiver du bist, du umso leichter auch die Stellen im Lied schaffst, die zuvor zu anstrengend für dich waren. Die Expressivität lasst uns oft die körperlichen Blockaden vergessen und die Stimme wird lockerer sein. Sei dabei wie ein Stimmforscher und beobachte, wie die Gefühle auf deine Stimme wirken und was mit deinem Körper und mit deiner Stimmung passiert.
Ich wünsche dir viel Spaß bei der Erforschung deiner eigenen Expressivität und wenn dieser Blog noch mehr Fragen in dir geweckt hat, melde dich gerne bei uns in der VoiceCottage-KreativManufaktur.
Euer Jan
Text © Ján Hyža