Habt ihr schon einmal von Lax Vox gehört? Nein? Dann wird es aber höchste Zeit! ? Die Stimmerzeugung durch einen Schlauch, bzw. eine Röhre hat schon eine mehr als 100-jährige Tradition in der Gesangspädagogik – und das nicht ohne Grund.
Geschichte Schon 1899 wurde das Singen durch ein schlauchförmiges Werkzeug erwähnt. Damals war der „Schlauch“ allerdings eine lange Röhre aus Glas, deren freies Ende vermutlich in die Luft gehalten wurde. In den 60er-Jahren entwickelte der finnische Phonetiker Antti Sovijärvidiese Methode weiter: zur Behandlung von Hypernasalität (= Luft entweicht beim Singen/ Sprechen vermehrt aus der Nase statt aus dem Mund) ließ er seine KlientInnen in eine gläserne Röhre phonieren (= Stimme machen), die ins Wasser getaucht war. Dabei musste das Gaumensegel so stark angehoben werden, dass es den Zugang zum Nasenraum völlig abschloss. Sobald dies gelang wurden Blubberblasen im Wasser erzeugt. Diese Röhre wurde als Resonanzröhre bezeichnet.
Die ursprünglich für Kinder entwickelte Therapieform wurde von Sovijärvi bald auch bei Erwachsenen mit Stimmstörungen angewendet. Aber auch Personen ohne Stimmprobleme wie zum Beispiel SängerInnen, benutzten die Resonanzröhre, allerdings dann mit dem Ziel die Stimme zu pflegen und zu trainieren.
In den 90er-Jahren optimierte die finnische Logopädin Marketta Sihvo die Sovijärvische Therapieform, indem sie statt der steifen Glasröhre einen flexiblen Silikonschlauch unter dem Namen Lax Vox®-Schlauch einsetzte. Das erleichterte die Handhabung und machte die Übungsausführung angenehmer.
Heute wird Lax Vox erfolgreich in der Stimmtherapie wie auch im gesangspädagogischen Bereich eingesetzt und dient SängerInnen, SprecherInnen und SchauspielerInnen als Training, Warm-up oder Cool Down (nach Belastung der Stimme).
Die Physik hinter Lax Vox Die Ausatemluft bringt die Stimmlippen im Kehlkopf in Schwingung und gelangt im Anschluss durch den Mundraum in den Schlauch, wo der Luftstrom auf die Wasseroberfläche stößt und nicht ungehindert entweichen kann. Der entstehende Luftstau führt entsprechend zu einem steigenden Druck in Schlauch und Vokaltrakt (= hohle Klangräume im Kopf), wodurch das Wasser im Schlauch schließlich verdrängt wird. Das Wasser beginnt zu blubbern. Weil bei der Phonation auch unterhalb der Stimmlippen, in der Lunge, ein Druck aufgebaut wird, kommt es zum Druckausgleich innerhalb der Glottis, der zu einem neutralen Stimmlippenschluss führt.
Wie wirkt Lax Vox, bzw. die Schlauchphonation allgemein auf die Stimme? Etwa in den letzten 2 Jahrzehnten gab es, vor allem in Hinsicht auf eine Anwendung in der Stimmtherapie, zunehmend mehr Forschungsarbeiten zur Phonation durch einen Schlauch oder eine Röhre in Kombination mit Wasser. Dabei wurde meistens deren unmittelbare Wirkung auf die Stimme untersucht und zwar sowohl während als auch gleich nach der Anwendung.
Trotz einiger widersprüchlicher Ergebnisse zwischen den Studien kann ein positiver Trend abgelesen werden: die Atmung wurde verbessert sowie der Stimmlippenschluss, die Muskulatur des Halses gelockert und der Vokaltrakt, in dem die Stimme zum Klingen gebracht wird, vergrößert. Außerdem konnte beobachtet werden, dass die Stimme tragfähiger wurde und leichter ansprach; generell konnte ein positiver Einfluss auf die Stimmqualität festgestellt werden.
Für wen ist Lax Vox geeignet? Tatsächlich für jedermann und jederfrau ?: Lax Vox kann sowohl als Warm-Up verwendet werden, als Mittel gegen Heiserkeit, bei Stimmermüdung oder um spielerisch an konkreten stimmtechnischen Themen zu arbeiten.
Eine ganz besonders gute Methode stellt Lax Vox für Menschen dar, die Probleme mit der Atmung haben, beispielsweise zu kurzatmig sind oder für all jene denen es schwer fällt hohe Töne entspannt zu singen.
Es hilft weiters u.a. dabei „schwere“ Stimmen zu erleichtern und kann außerdem einer gepressten sowie gehauchten Stimmgebung entgegenwirken und den Übergang von Kopf- und Bruststimme erleichtern.
Natürlich gibt es auch andere Übungen und Maßnahmen, mit denen man diese Themen behandeln kann, doch praktisch ist bei Lax Vox, dass man mit nur einem Werkzeug gleich mehrere stimmtechnische Dinge bearbeiten kann und das auf eine sehr spielerische, einfache Art und Weise.
Zum Teil 2 https://voicecottage.at/gesangsunterricht-wien-1090/lax-vox-teil-2/
Eure Anna.
Text © Anna Lindenberger